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Gummibärchen im Kochtopf: Süße Küchenideen

© kaufsonntag.de

verfasst von:
Anika Meier

Gummibärchen im Kochtopf: Meine Küche wird zum Kiosk

In meinem kleinsten Topf blubbert eine glänzende rote Masse, die vor zehn Minuten noch eine Tüte Gummibärchen war. Mein Mann steht mit verschränkten Armen in der Küchentür, meine Tochter fragt vorsichtig, ob das heute das Abendessen sei, und der Hund hat sich sicherheitshalber unter den Tisch verzogen. Ich rühre weiter, mit der Gelassenheit einer Frau, die genau weiß, was sie tut. Na gut, ungefähr weiß. Aber genau darum geht es ja: Süßigkeiten und Limonade sind nicht nur Naschkram für den Fernsehabend, sie sind wunderbare, völlig unterschätzte Zutaten.

Angefangen hat alles mit einem Zitronenkuchen, der mir zu blass geraten war. Puderzuckerglasur kann jeder, also wanderten 150 Gramm rote Gummibärchen mit zwei Esslöffeln Zitronensaft bei kleinster Hitze in den Topf. Das Wichtigste dabei ist Geduld. Die Masse darf auf keinen Fall kochen, sonst wird sie zäh und klebt später am Messer fest. Wenn Ihr sie nur sanft schmelzen lasst und dabei ständig rührt, bekommt Ihr nach fünf Minuten einen dickflüssigen, spiegelglatten Guss, der auf dem noch warmen Kuchen wunderbar verläuft und beim Abkühlen fest wird. Der Glanz ist dabei so schön, dass Konditoren dafür normalerweise teures Tortengelee kaufen.

Der nächste logische Schritt war der Cola-Kuchen, der Klassiker schlechthin. Ursprünglich kommt er aus den amerikanischen Südstaaten, wo er auf Kaffeetafeln seit Jahrzehnten seinen festen Platz hat. Das Prinzip ist simpel: Ein Teil der Flüssigkeit im Schokoladenteig wird durch Cola ersetzt. Bei einer Kastenform sind das etwa 250 Milliliter. Die Kohlensäure lockert den Teig, die Karamellnoten der Limonade vertiefen den Kakao, und heraus kommt ein Kuchen, der tagelang saftig bleibt. Für die Glasur verrühre ich Puderzucker mit drei Esslöffeln Cola, bis eine zähe Creme entsteht. Eine Literflasche für rund 1,50 Euro reicht locker für Teig, Guss und ein Glas für die Bäckerin.

Zurück zu den Gummibärchen, denn die können noch mehr. In Götterspeise eingelegt sehen sie aus wie kleine bunte Einschlüsse in Bernstein, was auf jedem Kindergeburtstag für große Augen sorgt. Der Trick: Gebt die Bärchen erst hinein, wenn die Speise im Kühlschrank schon halb geliert ist, sonst sinken sie alle auf den Boden. Wenn Ihr sie in Eiswürfelformen mit Wasser einfriert, bekommt Ihr Würfel, die im Glas langsam auftauen, ihre Farbe an die Limonade abgeben und am Ende als weiches, kaltes Extra auf der Zunge landen. Meine Tochter nennt das Zaubereis und besteht inzwischen bei jedem Besuch ihrer Freundinnen darauf.

Wenn Ihr solche Experimente öfter macht, merkt Ihr schnell, dass der Vorrat das halbe Rezept ist. Saure Schlangen für den Tortenrand, kleine Colafläschchen als Muffindeko, Marshmallows zum Überbacken, dazu immer eine Reserve an klassischen Bärchen in allen Farben: Am besten funktioniert das, wenn Ihr nicht am Sonntagnachmittag drei Tankstellen abklappern müsst, weil ausgerechnet die roten fehlen. Ich bestelle meinen Grundstock inzwischen gesammelt im Netz. Wenn Ihr wissen möchtet, wie breit das Sortiment eines Online-Kiosks sein kann, könnt Ihr bei Capalus mehr erfahren und Euch Eure eigene Backkiste zusammenstellen, die dann geduldig im Schrank auf den nächsten Einfall wartet.

Mein liebstes Werkzeug ist allerdings das Brausepulver. Über eine Kugel Vanilleeis gestreut prickelt es ein paar Sekunden lang hörbar, was bei Gästen jedes Mal für Gelächter sorgt. Für Kindercocktails feuchte ich den Glasrand an und drehe ihn in Waldmeisterpulver. Das sieht aus wie in der Cocktailbar und schmeckt nach Freibadsommer. In geschlagene Sahne gehört es erst im allerletzten Moment, direkt vor dem Servieren, sonst ist der Zischeffekt verpufft, bevor der Löffel die Schüssel erreicht. Ein Tütchen kostet ein paar Cent und verwandelt das langweiligste Dessert in eine kleine Vorstellung.

Für Erwachsene ist meine sicherste Nummer das salzig-süße Snackboard. Ein großes Holzbrett, darauf in lockeren Reihen: Kartoffelchips, Salzbrezeln, Zartbitterschokolade in groben Stücken, geröstete Erdnüsse, ein paar Cracker, dazwischen Gummibärchen und weiße Schokolade als Farbtupfer. Die Kunst liegt in den Kontrasten: salzig neben süß, knusprig neben weich, dunkel neben bunt. Wenn Ihr mögt, stellt Ihr ein Schälchen Karamellcreme zum Dippen dazu. Für acht Personen komme ich auf zehn bis zwölf Euro, und das Brett ist in einer Viertelstunde fertig, während der Ofen kalt bleibt. An Silvester war es vor dem Hauptgang leer.

Das Schönste an dieser Art von Küche ist, wie sie die Rollen vertauscht. Beim letzten Geburtstag meiner Tochter standen am Ende die Eltern am Snackboard und diskutierten ernsthaft, ob Chips mit Schokolade nun genial oder verboten seien, während die Kinder längst im Garten waren. Die Mischung aus Kindheitserinnerung und ein bisschen Regelbruch funktioniert bei Großen offenbar noch besser als bei Kleinen.

Der rote Guss von vorhin ist übrigens fest geworden, glänzend wie lackiert, und der Zitronenkuchen sieht aus wie aus dem Schaufenster. Mein Mann hat inzwischen zwei Stücke gegessen und behauptet, er sei von Anfang an überzeugt gewesen. Als Nächstes will ich saure Pommes als Tortendeko testen und im Winter einen Punsch mit Waldmeisterbrause. Der Topf steht schon bereit.